Und was ist sie nicht?

Lerntherapie ist „eigentlich“ ein gängiger Begriff – aber was ist das eigentlich?

Ist „Lerntherapie“ teuer verkaufte Nachhilfe?

Schafft „Lerntherapie“ einfach ein neues Störungsbild, um eine Leistung verkaufen zu können?

Macht „Lerntherapie“ nicht das Gleiche wie die Grundschule, also Kindern Lesen und und Schreiben beizubringen?

 

Ziele und Mehrwert des Blogs

Dieser Blog will erläutern, was Lerntherapie ist, wie Lerntherapie in der Praxis eigentlich genau aussieht und arbeitet, was genau systemische Lerntherapie bzw. was das Therapeutische in einer Lerntherapie ist bzw. sein kann und wo die Grenzen zur Nachhilfe liegen. Es sollen kritische Fragen im Bereich Lesen und Schreiben (wie etwa der Reichen-Ansatz) und Lerntherapie diskutiert werden. Fallbeispiele sollen Lerntherapie plastisch und erfahrbar werden lassen. Zudem wird es konkrete Hinweise zur Förderung zuhause und in der Schule geben.

Letztlich möchte dieser Blog auf die Situation und die Innenperspektive von Kindern und Jugendlichen mit LRS und Lernstörungen aufmerksam machen und um mehr Verständnis werben.

 

Das „Warum“ dieses Blogs

Ich arbeite seit 20 Jahren in dem Bereich Lerntherapie.

Lesen und Schreiben sind für mich die Grundvoraussetzungen, um lernen und sich entwickeln zu können. Mit Lesen und Schreiben kann ich alles lernen, was ich will.

Ich werde wütend, wenn Kinder mit Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben für dumm oder für Versager gehalten werden.

Ich werde wütend, wenn in diesem Bereich schlecht qualifizierte Leute arbeiten, die sich nicht wirklich für eine angemessene Förderung interessieren.

Es geht um die Kinder und wie eine angemessene Förderung in einem sehr zentralen Lern- bzw. Entwicklungsbereich aussehen kann.

Das ist das Wichtigste.

 

Definition: Was ist Lerntherapie?

Lerntherapie hilft Kindern mit gravierenden Schwierigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen mit Hilfe von konkreten Konzepten mit ihren Problemen fertig zu werden.

Lesen und Schreiben und Lernen allgemein stellen die Voraussetzung dar, um an Bildung teilnehmen zu können und eine begabungsadäquate Karriere machen zu können. Ohne Fähigkeiten in diesen drei Bereichen mitzubringen, sind Kinder, Jugendliche und Erwachsene von sehr vielen Möglichkeiten ausgeschlossen. Für mich sind diese Fähigkeiten die Basis für Entwicklungen ganz generell.

Während meiner Lerntherapieausbildung und der Anfertigung meiner Doktorarbeit setzte ich mich mit vielen Lerntherapie-Konzepten auseinander. Es wurde dort zwar zumeist planvoll vorgegangen und es liegen auch viele ausgearbeitete Konzepte vor, die in der Praxis eine Arbeit ermöglichen, die deutlich über Nachhilfe hinaus geht, dennoch fand ich immer, dass diese Ansätze, trotz aller Professionalisierung in der Praxis zu kurz greifen. Im Gegensatz zur Nachhilfe, in der ja zumeist anhand des Stoffes, der in der Schule aktuell zu bewältigen ist, der oder die Nachhilfelehrerin „irgendwie“ versucht, die vorhandenen Wissenslücken zu füllen, gibt es in den meisten LRS-Förderkonzepten eine übergeordnete Theorie wie etwa die Entwicklungsmodelle Schriftsprache und/oder die Sortierung von Rechtschreibbesonderheiten zum Beispiel nach Vorkommenshäufigkeit. Auch findet in vielen Lerntherapie-Ausbildungen eine Reflexion und Auseinandersetzung mit der eigenen Lernbiografie und dem eigenen Verhältnis zum Lernen statt, was von einer Nachhilfelehrerin auf jeden Fall nicht zu erwarten ist. Insofern hat im Gegensatz zur Nachhilfe bei der Lerntherapie auf jeden Fall eine Professionalisierung stattgefunden. Lerntherapie, vor allem durchgeführt von Personen, die eine von den beiden großen Berufsverbänden BVL oder FIL zertifizierte mehrjährige Lerntherapieausbildung durchlaufen haben, ist also keineswegs mit Nachhilfe zu vergleichen. In der Lerntherapie findet qualifizierte Hilfe und Unterstützung nach zum Teil sehr ausgearbeiteten Konzepten statt.

 

Offene Fragen in der Lerntherapie

Aber ist dies dann wirklich „Therapie“ oder bieten die meisten LRS-Förderkonzepte nicht eher eine Art Training und nutzen den Therapiebegriff, um sich von Nachhilfe abzugrenzen? Und auch die Durchführung von Trainings ist überaus legitim, gäbe es nicht da eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen mit Schwierigkeiten im Schriftspracherwerb, denen ein „schlichtes“ Training einfach nicht hilft. Die schon überall gewesen sind. Die eigentlich mittlerweile die Hoffnung verloren haben, weil bislang nichts geholfen hat. Die tatsächlich auch –  neben dem Lesen und Schreiben – „Therapie“ brauchen.

 

Was kann also das „Therapeutische“ in der Lerntherapie sein?

Dazu mehr im nächsten Blogartikel.

 

Frage an die Leser:

Was macht für Sie „gute“ Lerntherapie aus?